
Viele Erwachsene leben jahrelang mit Fehldiagnosen, weil ADHS im Erwachsenenalter noch immer übersehen oder fehlgedeutet wird; häufig werden Depression, Sucht oder Persönlichkeitsstörungen behandelt, ohne die zugrunde liegende neurobiologische Besonderheit zu erkennen. ADHS ist keine Frage von Willenskraft, sondern Ausdruck einer anderen Spannungs- und Aufmerksamkeitsregulation des Gehirns, die mit starren Bildungs- und Arbeitssystemen kollidiert. Bleibt diese unentdeckt, entstehen Folgeerkrankungen durch chronische Überforderung und Selbstmedikation. Eine klare Diagnostik, frühe Entlastung und – wenn medizinisch sinnvoll – eine gezielte medikamentöse Behandlung können den inneren Lärm reduzieren und erst ermöglichen, dass Therapie und eigene Strategien greifen. ADHS ist damit nicht nur Belastung, sondern auch Potenzial, das in passenden Strukturen produktiv wirksam wird.
